Über mich.


 

Kochende Autorin oder schreibende Köchin?

 

Ganz einfach: Sowohl als auch.

Gekocht habe ich schon immer. Als kleines Kind in der Puppenstube gab es Minatur-Klöße und, wie sicher auch bei vielen anderen Kindern, Buchstabensuppe aus Brühwürfel. Wenn die Mutter gebacken hat, wollte ich das auch. Sie ließ mich gewähren und ich matschte irgendwas zusammen - der Kuchen war der Hammer! Sensationell! Als Kind denkt man jedoch nicht ans Aufschreiben von Rezepten.  Das gleiche als Jugendliche: Ich schuf die Weihnachts-Cookies schlechthin: fluffig-weich, tolles Aroma - zum Reinknien! Nur aufgeschrieben habe ich es nie. War mir nicht klar, dass man sowas wirklich vergessen kann. Deshalb:

 

#Tipp 1 Wenn ihr experimentiert und es kommt was wirklich leckeres dabei raus: Aufschreiben!

 

Ich koche immer nach Gefühl, so, wie ich es zuhause gelernt habe. Erst später, während meiner Praktika und der Ausbildung zur Oecotrophologin habe ich gelernt, dass man immer alles genau abwiegen und abmessen muss, Ernährungslehre, Nährwerte berechnen, Grundumsatz berechnen, verschiedene Diät-Formen und noch vieles mehr. Nach meinem Examen übernahm ich die Leitung eines Schullandheims. Essen kochen für 30 Schüler und ein paar Lehrer. Und glaubt mir: Kinder sind die schärfsten Kritiker der Welt. Es hat mir wahnsinnig Spaß gemacht und siehe: haben sich vorher alle Lehrer gedrückt, ins Landschulheim zu fahren, wurde sich plötzlich um jeden Termin und die Aufenthaltsdauer gestritten. Gutes Essen macht so viel aus!

 

Trotzdem hat mir was gefehlt. Als ich meinen Chefs sagte, dass es mich intellektuell nicht fordert (was man halt Chefs so sagt, wenn man sie auf die Kündigung vorbereiten will) überschlugen sie sich mit Ideen: Ich könnte doch Bücher schreiben, zum Beispiel über die Einrichtung der Küche, da hatten sie vorher ja keine Ahnung gehabt, was man alles berücksichtigen muss! (stimmt, für die Küche musste ich erstmal ein paar Anschaffungen tätigen und neu einrichten).  Kochbücher sollte ich unbedingt auch schreiben, denn für die Hausgröße von +/- 30 Gäste wäre es doch soooo wichtig, auch anderen beizubringen, wie es geht. Da hätte ich doch meine intellektuelle Herausforderung und ich könnte doch bitte bitte da bleiben.

Aber ich hatte andere Pläne: Ich fing nochmal ganz von vorne an und machte eine Ausbildung zur Werbekauffrau. 

 

#Tipp 2 Wenn ihr etwas wirklich wollt, auch wenn es eine umfassende Veränderung bedeutet und euch alle abraten: Just do it!

 

 

Ich hatte großes Glück: Nach dem Start in einer Agentur für Verkaufsförderung (hieß wirklich so! Heute: Direct Marketing)  ging ich in einen großen Industriebetrieb. Der Abteilungsleiter (übrigens ein ausgewiesener Kunstexperte, der viele Ausstellungen mit internationalen Künstlern organisierte. Ich erinnere mich an interessante Begegnungen) ließ mich ein straffes Programm durchlaufen: Praktika beim Fotografen, in einer Setzerei, in Druckereien (Offset, Tiefdruck, Flexodruck) in der Retusche, elektronische Bildbearbeitung, Video-Produktion, Messsebau. Mein mir zugeteilter Ausbilder war Dozent an der Fachhochschule für Gestaltung. Er schärfte meinen Blick für Corporate Design, für Architektur, für Gestaltung. Dafür bin noch heute dankbar. Danach war ich viele Jahre als Kundenberaterin in Werbeagenturen tätig - und das ganz ohne den traditionellen Streit zwischen Art und Beratung, ganz einfach, weil ich Verständnis für gute Gestaltung und verrückte Ideen habe.

 In dieser Zeit habe ich mit Art-Director:innen und Texter:innen spannende Ideen entwickelt und Kampagnen realisiert. Es war eine großartige und aufregende Zeit, die ich nicht missen möchte. 

Kundinnen waren u.a. die Messe Frankfurt ( Heimtextil ),  für die Lufthansa haben wir die Einführung-Kampagne für die "miles & more" gemacht, abele-Optik, STA-Travel, der BDZV (Bund deutscher Zeitungsverleger), Philips     (Image) und nur einige zu nennen.

 

Das Schreiben hat mich seitdem immer begleitet, klar, in den Agenturen ging es darum, Konzepte zu schreiben. Dann wurde ich Mutter und fing an, redaktionelle Beiträge für das Monatsheft des Kindergartens, den meine Kinder besuchten, zu schreiben - dort veröffentlichte ich auch Kochrezepte speziell für Kinder. Und schließlich fing ich an, für Mitarbeiter- und Kundenzeitschriften als freie Autorin redaktionelle Beiträge zu verfassen. Auch hier waren gute Lebensmittel oft im Mittelpunkt. 

 

Dann kam die Idee zum Krimi, es dauerte ein bisschen, bis ich endlich die nötige Zeit und Ruhe zum Schreiben gefunden hatte. (Auch hier gilt: #Tipp 2). Ich schrieb und veröffentlichte den Roman selbst. (lange habe ich das perfekte holzfreie Papier gesucht, an der Schrift herumgetüfftelt und eine Druckerei gesucht, die umweltschonend arbeitet). Ganz vorsichtig habe ich erstmal 500 Exemplare drucken lassen - und die waren innerhalb von drei Wochen ausverkauft. Puuh, da kam ich ins Schwitzen, schnell nachdrucken lassen, bedeutet auch  mehr zahlen - und ich hatte sehr knapp kalkuiert. Nach dem fünften Nachdruck von immer größeren Auflagen 

 wurde die Tante Frieda von den Ullstein-Verlagen in Berlin entdeckt.  

Zu meiner großen Freude wollte der Verlag gleich einen zweiten Krimi mit mir machen. "Kein Mord ohne Tante Frieda" erschien 2014. Der dritte Hohe-Tanne-Krimi "Frieda unter Verdacht" 2016.

Der vierte  Krimi "Die Herberge im Wald" spielt zu großen Teilen im Hochtaunus, erschien Ende 2019 und diesen Band habe ich wieder selbst verlegt. 

 

Da ich absolut kochsüchtig bin, kocht und backt meine Protagonistin Tante Frieda genauso gerne wie ich. Und weil die Tante Frieda zu einer Generation gehört, die den Krieg noch miterlebt hat, unter vielen Entbehrungen litt und viel improvisieren musste, ist klar, dass sie nie Lebensmittel verkommen lässt, es Fleisch nur einmal in der Woche gibt und Frieda sorgfältig und sparsam mit allen Lebensmittel umgeht. Eigentlich ist Tante Frieda die Begründerin der "Planatary Health Diet" - das war früher bei unseren Großeltern einfach selbstverständlich, es gab nicht immer alles im gesamten Jahr. Man lebte nach dem Jahreslauf mit den Gemüsen, die eben zur Zeit wuchsen. Bananen waren was Besonderes und die Ananas eine fast unbezahlbare Spezialität.

 

Ihr findet in jedem Roman Rezepte, alte Schätze, die ich teilweise etwas modernisiert habe und natürlich sind auch neue, bewährte dabei. (Obwohl ich für mein Tofu-Rezept ziemlich kritisiert wurde, weil es nicht zur Tante Frieda passen würde. Äh... doch! Auch die alte Tante zeigt sich aufgeschlossen.)

Übrigens: Die Rezepte habe ich noch mindestens zwei Mal gekocht, bevor sie ins Buch gekommen sind. Alles genau abgewogen und aufgeschrieben, so dass sie auch gelingsicher sind und kein Rezept mehr vergessen wird.

 

Danke fürs Lesen! Eure Heidi 

 

 

Auf Instagram bin ich unter @seasons_for_reasons_ zu finden.